24. Oktober 2018 Brit Floyd

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24. Oktober 2018 Brit Floyd
Eclipse World Tour
aus Privatsammlung Detlef Lu
aus Privatsammlung Detlef Lu
Ort Admiralspalast
Uhrzeit 20:00
Eintrittspreis 69,35 Parkett
Veranstalter Live Nation,
Trinity Music
Bands/Künstler
Brit Floyd
Setlist
Brit Floyd
aus Privatarchiv Rataplan
aus Privatarchiv Rataplan

Erinnerungen

Was macht man als alter Pink Floyd Fan wenn die Musiker partout nicht zu einer letzten Tournee bereit sind? Zum hundertsten Mal die CD‘s / LP‘s abspielen und hoffen etwas Neues in den Aufnahmen zu entdecken. Dazu muss man den Pegel aber schon etwas hochfahren, denn Pink Floyd bei „Zimmerlautstärke“ zu genießen geht eigentlich gar nicht. Aber spätestens beim Einsatz der tieffrequenten Bassläufe in vielen Floyd Songs erinnert ein heftig einsetzendes Klopfen an der Zimmerwand…..es gibt noch andere Mitbewohner im Haus!!

Also kann letztlich nur das Konzert einer „Coverband“ helfen das Bedürfnis nach lauter und live gespielter Pink Floyd Musik zu stillen.

Brit Floyd ist solch eine „Coverband“ und haben heute Abend die Besucher im Admiralspalast in einer Perfektion beschallt, dass ich noch Tage später davon schwärme. Die Band tourt seit 2011 durch die Welt und die daraus erwachsene Routine merkt man ihr an. Die Musiker harmonieren super miteinander und beherrschen ihre Instrumente in Perfektion. Wann immer man die Augen schloss, um sich für kurze Momente nur auf die Musik zu konzentrieren, stets hatte man das Gefühl, da müssen tatsächlich David, Roger, Rick und Nick auf der Bühne stehen. Die Musik, die Soundeffekte, die Stimmen…...alles wie beim Original.

Davids Gitarrenriffs übernahmen wechselseitig Edo Scordo und Damian Darlington, der auch viele der von David gesungenen Lieder übernahm. Rogers Bassläufe inklusive dessen Songs übernahm Ian Cattell. Deren beider Stimmen sind vom Original wirklich kaum zu unterscheiden. Ebenso Schlagzeug und Synthesizer/Piano. Alles lag klanglich und rhythmisch sehr dicht beim Original.

Der Hammer waren jedoch die Background Sängerinnen. So übernahm Jacquie Williams bei „Mother“ einen Teil des Gesangsparts, was super zu einer Frau passt und nicht mal David einer seiner Sängerinnen anvertraute. Die Krönung war Eva Avila, eine junge Kanadierin, die den Song „ The Great Gig in the Sky“ mit einer stimmlichen Intensität vortrug, dass es mir dir Sprache verschlug und mir eine „Gänsehaut“ bescherte, die ich auch nach Ende des Song nicht los wurde. Dieses Lied habe ich wirklich schon in sehr vielen Versionen gehört, aber diese war schlichtweg atemberaubend schön. Bezeichnenderweise rief nach dem Song ein männlicher Fan, nachdem der tosende Applaus abgeklungen war: „Man war das geil!“

Ein weiterer Höhepunkt war der leider sehr selten gespielte Song „The final Cut“. Auch hier traf Ian Cattell exakt auf Rogers Stimmlage und bescherte mir damit meine zweite „Gänsehaut“ an diesem Abend. Überhaupt war während des gesamten und gewiss nicht leisen Konzerts der Ton immer sehr sauber ausgesteuert.

Ein super Konzert, das jeden Euro des Eintrittsgeldes wert war und das Beste, was ich Live seit 1994 an Floyd Musik gehört habe. Angenommen, Pink Floyd würde noch einmal eine Tournee machen, sie würden sich vermutlich genauso anhören. Brit Floyd spielten knapp 3 Stunden, abzüglich einer 20 minütigen Pause, und begaben sich nach Abschluss sogar noch ins Foyer, um Jedem der dort wartenden Fans ein Autogramm zu geben. (Siehe Fotos) Sogar ein wenig small talk war möglich. Bei welcher Band/Künstler erlebt man das heute noch.

Meine Hoffnung ist, dass diese Band in spätestens 2 Jahren wieder den Weg nach Berlin findet, nur dann möchte ich Brit Floyd gerne auf einer großen Bühne erleben. Und hier ist mein einziger Kritikpunkt zu dem Konzert.

Die Musik lebt von der Größe, der Weiträumigkeit des Klangs. So waren immer auch eine ausufernde Lichtshow und visuelle Effekte wichtiger Bestandteil einer Pink Floyd Show. Ebenso eine weitläufige, offene Bühne, wo das alles richtig zur Geltung kam. Die Bühne des Admiralspalastes liegt einem Theaterbau entsprechend aber in einem Bühnenhaus. Das bedeutete, dass zahlreiche Lichteffekte, solange sie nicht in Richtung Theatersaal gerichtet waren, an den Wänden und der Decke des Bühnenhauses wirkungslos verpufften. Das war schade, denn dadurch ging optisch viel von der Weitläufigkeit, welche der Sound durchaus vermitteln konnte, verloren.

Brit Floyd traten zum zweiten Mal nach 2016 im Admiralspalast auf und vielleicht war das auch ein Grund, weshalb einige Reihen im Parkett unbesetzt blieben. Eine Bühne wie die des Tempodroms wäre ihrer Show weitaus angemessener. Mögen sie doch wieder dort spielen und ein paar mehr Floyd-Fans den Weg dorthin finden. Die Band hätte es verdient. --Rataplan (Diskussion) 20:30, 28. Okt. 2018 (CET)


Weblinks

Video

Brit Floyd performing "The Final Cut" Live at The Heineken Music Hall in Amsterdam
Recorded in November 12th, 2015

Fotos