28. August 1971 All-Music-Festival

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28. August 1971 All-Music-Festival
Quelle: Privatarchiv Manfred Weiss
Quelle: Privatarchiv Manfred Weiss
Ort Waldbühne
Uhrzeit 19:00
Eintrittspreis 7.- DM
Bands/Künstler
Earth & Fire
Emergency
Cravinkel
Mythos

Erinnerungen

Irrlichternde Gitarrenklänge, ein pulsierender Bass, einsetzendes Schlagzeug, dann die düstere Stimme des Sängers („…and out of my heart came the sun…“) – mit Hero’s Death begann am frühen Abend die Berliner Band MYTHOS das All Music Festival in der Waldbühne (zum Glück bei trockenem Wetter, denn es gab damals noch kein Dach über der Bühne). Das zweite, 18-minütige Stück Pearl Harbour (auf der ersten Mythos LP umbenannt in Encyclopedia Terrae) - sirenenhaft und mit Trommelwirbeln eingeleitet - weckte Assoziationen mit dem bekannten Luftangriff des Zweiten Weltkriegs. „…there was no bird in the sky, no fish in the sea and no flower…“, war der sentimentale Höhepunkt des Auftritts. Dem Publikum gefiel dieser und es holte unerwartet eine Zugabe (Mythoett) heraus.

Rockiger, eckiger ging es dann weiter mit CRAVINKEL aus Hamburg, sehr gitarrenbetont – aber nicht sehr spannend, fand ich. Sie spielten Scottish pipe, Sittin’ in a forest und Garden of loneliness, sowie zum Schluss das halbstündige Stück Stoned – mit angemessen langen, langsamen Gitarrenpassagen und einem längeren Schlagzeugsolo.

Dann wurde es jazziger mit EMERGENCY (der Band um Hanus Berka und weiteren drei Tschechen; ob Udo Lindenberg da noch am Schlagzeug saß, weiß ich nicht). Saxophonsoli und electric piano-Begleitung prägten die Stücke, u. a. Jump into your grave, Spring time, My woman’s gone now und Love is here to stay. Jazzrock war für mich - aber offenbar auch die anderen Zuhörer - etwas gewöhnungsbedürftig, trotz qualitativ guter Musik kam keine rechte Stimmung auf.

Das änderte sich aber mit dem nun folgenden Auftritt von EARTH & FIRE. Bereits mit dem ersten Stück Ruby is the one ging die Post ab, dazu trugen wesentlich der Gesang und das atemberaubende, lederne outfit von Sängerin Jerney Kaagman bei, sowie die gute („…special Earth & Fire…“) light show in dunkler Nacht. Aber auch das treibende Schlagzeug und die psychedelische Spielweise (Orgel, Gitarre) versetzten mich (schon beim zweiten Stück, einer 16-minütigen Improvisation) nahezu in Verzückung. Nach Invitation folgte die zweite (14-minütige) Improvisation, u. a. mit einer sich exstatisch überschreienden Sängerin und einem Schlagzeugsolo. Als Zugabe wurde schließlich Wild and exciting gespielt – ein Wahnsinnskonzert.

Manfred Weiss (im Juni 2014)

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