Blues-Rock

Aus Rockinberlin
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Wikipedia liefert eine gute Erläuterung des Genres. Die Liste der Verteter dieser Stilrichtung erscheint uns allerdings zu weit gefasst.


In Berlin

umfasst Blues-Rock eine durchaus lebendige Szene. Nach wie vor ist auch der Session-Charakter wie zu Zeiten der Bluesrock-Vorformen (siehe unten) recht praesent:


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Heutige Berliner Blues-Rock-Sessions, Beispiel. Quelle: [1], 07.02.2017, ca. 11:00


Bluesrock-Vorformen

Wenn man zu einer Session zusammentraf, aber keine festen Stuecke mehr hatte oder von vornherein ohne Stuecke antrat, griff man schon in den 1960ern haeufig zur 'Blues-Form' (oder Blues-Formel). - Der Begriff 'Blues-Form' und ueberhaupt Blues-Abwandlungen sind umstritten, besonders bei im Blues sehr Engagierten.

Doch mit 'Blues-Form' war und ist zunaechst eine Strophe gemeint, die aneinandergereiht wird zu einem improvisierten Song und in der die Akkordgrundtoene von Stufe I (Tonika, 4 Takte) nach IV (Subdominante, ersatzweise schon Dominante, 2 Takte), wieder nach I (2 Takte) und letztlich nach V (Dominante, 1 Takt), IV (1 Takt, oder noch mal Dominante) sowie abschliessend I (2 Takte) fuehren. Dies ergibt insgesamt 12 Takte je Strophe, die aber auch verdoppelt werden (zu 24 Takten), z. B. bei sonst zu schnellen Strophen, oder in andere Strophenlaengen abgewandelt sind.

Auch ohne jene Theorie kannten die Blues-Form in den 1960ern eigentlich viele, vor allem nach einer gewissen Banderfahrung und besonders durch den AFN [2] [3] [4] oder 1950er Rock & Roll (Chuck Berry [5], Elvis Presley [6], ...). Und fast jeder/jede konnte somit ueber solche Akkordfolge (aus dann spontanen Drei- oder Mehrklaengen), etwa F (4 Takte), Bb (2 Takte), wieder F (2Takte) sowie letztlich 4 Takte C, Bb und F, etwas improvisieren wie spontane Melodien, rhythmisch wiederkehrende Figuren ('Hooks', 'Riffs'), usw.

Hauptsache dabei war und ist, nicht selbst 'raus zu kommen' oder die MitspielerInnen 'raus zu bringen'. Wenn man hierbei bis an die Grenzen des spontan Moeglichen ging bzw geht, erzeugte bzw erzeugt man noch heute eine unglaubliche Spannung, die auf eventuelles Publikum garantiert ueberspringt und eigentlich Markenzeichen allen, auch und gerade organisierten (nicht spontanen) Rocks, Jazzes oder eben Blues' ist. Gespielt wurde in den 1960ern-70ern oft im mittel-schnellen Shuffle-Rhythmus (4/4 oder 12/8), in manchen Regionen (u. a. Niederlande) auch langsamer. Insgesamt hoerte es sich oft rockig-hart oder -wuchtig an, weniger jazzig-leicht-flirrend, so schwer es auch ist, Klang ueberhaupt zu beschreiben, und Klangdokumente duerften nicht mehr existieren. Manchmal allerdings klang es shuffle-maessig schon ein wenig so wie heute: Indigenous, "Blues This Morning", 2015 [7]

Von Bluesrock-Vorformen in den 1960ern-70ern kann man insofern sprechen, weil derartiger Bluesrock eher eine Luecke fuellte, eben wenn man keine festen Stuecke mehr hatte oder von vornherein ohne Stuecke antrat. Bands, deren Programm ausschliesslich und bewusst aus rockigem Blues bestand/besteht, entwickelten sich erst, dann aber mit Blues-Spielweisen, die, wenn man genau hinhoerte, sehr komplex und eigentlich kaum noch nachzuspielen waren. Ein Musterbeispiel dieser Komplexitaet wurden ZZ Top [8].

Fast reine Bluesrock-Bands in den 1960ern und Anfangs-1970ern gab es bereits schon, doch eher ausnahmsweise: etwa wenn pfiffige MusikerInnen eine Auftrittsmoeglichkeit nicht verfallen lassen wollten, weil sich gerade keine Band fand, sich per Telefon verabredeten ('Telefonbands'), auch wenn man sich vorher kaum kannte, und solchen Auftritt improvisierend und mehr oder minder gelungen 'durchzogen', etwa im 'Leierkasten' [9].

Seit den 2000ern erleben reine Bluesrock-Bands quasi eine Massen-Renaissance und hier ist man oft zu festen Bluesrock-Stuecken uebergegangen statt improvisierter Songs.


Entstehungs-Beispiele

Etwa nicht erhalten ist, als im November 1969 die 'Quasimodo-Band' [10] mit Dr. Kosanke (voc, [11], 'Ueber mich, ... Das 1. Logo von Dr. Kosanke, Ende 60er, Anfang 70er ...') Bluesrock improvisierte, doch immerhin im renommierten 'Club 18' bei John Hendrik [12] [13] (Erkennungsmelodie "Basin Street Blues" [14], allerdings gepfiffen).

Die Entstehungs-Beispiele erfolgen somit auch, da eben Klangdokumente improvisierter Songs aus den 1960ern und beginnenden 1970ern nicht mehr bestehen duerften.

Zuerst ist aufgefuehrt das quasi feste Bluesrock-Stueck "Rock And Roll", und zwar einmal von der heute international fuehrenden Alternativrock-Band, 'Alter Bridge' [15], live als Cover-Version, d. h. Nachspielen der von 'Led Zeppelin' [16] 1971 geschaffenen oder komponierten Original-Version, die als Beispiel dann folgt. Besonders aufgrund ihrer Aktivitaet 1968-80 gelten 'Led Zeppelin' mit u. a. Deep Purple [17] und Black Sabbath [18] eigentlich als typische und hauptsaechlich stilbildende Band des Hardrocks.

  • Led Zeppelin, "Rock And Roll" [19], 1973 (geschaffen oder komponiert 1971)
  • Alter Bridge, "Rock And Roll" [20], ge-covert etwa 2005
  • Blackberry Smoke, "Long Haired Country Boy" [21], "Rock And Roll" etwas abgewandelt ge-covert 2014

In einer einzelnen Strophe erkennt man die Blues-Form und insofern eines der auf Blues-Basis beruhenden festen Bluesrock-Stuecke, allerdings nicht im oben, unter 'Bluesrock-Vorformen', genannten Shuffle-Rhythmus, sondern im heutzutage dominierenden straighten Rock-Rhythmus. Es folgen zwei auf Blues-Basis beruhende feste Stuecke einer anderen, eher lokalen 1960er Band, 'The Esquires', Berlin (-West, 1966) [22]. Diese Songs wuerde man trotzdem weniger als Bluesrock bezeichnen, sondern eher als bluesige Beat- oder Pop-Songs, weil 'The Esquires' sich hauptsaechlich als Beat- und Pop-Band verstanden. Selbstverstaendlich gibt es auf Blues-Basis beruhende Stuecke anderer, besonders ueberregional bekannter damaliger Berliner Bands, die auch ausdruecklich als Beispiel erwuenscht waeren.

  • The Esquires, "BassGuitar" [23], 1966, Gitarrensolo
  • The Esquires, "NoTime" [24], 1966, kommt dem damaligen Shuffle-Rhythmus zwar nahe ('punktiert', triolisch, 'swingend').

"NoTime" ist aber fast zu schnell und durchgehend viertel-betont, jedoch nicht gespielt ueber einer ostinaten (regelmaessig aneinandergereihten) Bass-Bassdrum-Figur wie die drei vorherigen, allerdings rockig-straighten/gleichmaessigen Beispiele (die zwei Versionen "Rock And Roll" und das "BassGuitar"-Gitarrensolo). Ostinate Bass-Bassdrum-Shuffle-Figuren liessen sich allerdings schon beispielhaft in fruehen Soul-Hits von Mary Wells (voc), "My Guy" [25], und The Supremes, "Where Did Our Love Go" [26], hoeren - 1964 -, und dies wurde bereits in Bluesrock-Vorformen uebernommen und praktiziert.

Ostinate Bass-Bassdrum-Figuren, inzwischen eigentlich rockig-straight/gleichmaessig und/oder 'shuffle-maessig', sind wesentlich fuer Rockmusik: Sie machen gewissermassen Rock (hier: Bluesrock) aus. Im Hardrock (der 1970er) wurden dann daraus ostinate Gitarren-Bass-Bassdrum-Figuren, wie sie sich bereits seit The Kinks [27], "All Day And All Of The Night" [28], 1964-65, andeuteteten und auch sodann im Bluesrock Eingang fanden.


Aktuelle Berliner Beispiele

Etwa via Google und ansatzweise ergibt sich als aktuell recht lebendige Berliner Bluesrock-Szene (hierunter auch evtl. Bluesrock spielende Bluesbands)

usw.

Nachfolgend ein Bandfoto der 2010 gegruendeten Rock´n Blues Cover-Band aus Berlin, Bluewater [29] (Quelle: [30], Dank an Jenny, voc & contact, von Bluewater; 07.02.2017, ca. 15:30) :

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Weblinks