15. Februar 2020 Boy & Bear

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15. Februar 2020 Boy & Bear
Fan Ticket
Fan Ticket
Ort Lido
Uhrzeit 19.40 Uhr
Eintrittspreis 27,15 EUR
Veranstalter Live Nation / Trinity Music
Bands/Künstler
Boy & Bear
Support Wildwood Kin
Tourflyer

Das Konzert war ausverkauft.

Berichte


Bericht von Bruno Dietel auf rbb24 vom 16. Februar 2020

Noch einmal mit Gefühl

Lange Zeit schien unklar, ob die Indierock-Band Boy & Bear überhaupt weitermacht. Sänger Dave Hosking litt unter einer schweren Krankheit. Vergangenes Jahr kam dann das neue Album. In Berlin gab es nun ein Konzert mit viel Gefühl, aber wenig Euphorie.

Zottelige und zerzauste Haare, ein langer roter Bart und ein locker aufgeknöpftes Hemd statt Kurzhaarfrisur und akkuratem Oberlippenbart. Der Boy & Bear-Sänger Dave Hosking ist auf der Lido-Bühne kaum wiederzuerkennen. Dass er da wieder stehen und singen kann, ist ein großes Glück für die Band. Jahrelang litt Hosking an immer schwerer werdenden Depressionen. Wie sich später herausstellte, wurden diese durch eine das Nervensystem angreifende chronische Darmkrankheit ausgelöst. All seine Sinne waren in dieser Zeit extrem überempfindlich.

Dem Online-Musikmagazin "Laut.de" sagte Hosking: "Wenn ich irgendwo ins Licht sah, brannten meine Augen. Und jedes kleinste Geräusch verursachte große Ohrenschmerzen." Zwei Jahre lang habe er in vollkommener Isolation gelebt. "Tagsüber wollte ich einfach nur meine Augen schließen und mich verkriechen. Und nachts konnte ich vor lauter Angst und Schmerzen nicht schlafen", sagte er.

Mitwippen im Tanzmodus

Nach Berlin hatt die Band ihr neues, viertes Album "Suck On Light" mitgebracht. Komponiert haben es Gitarrist Killian Gavin und Drummer Tim Hart in einer Zeit, als die Zukunft der Band noch in der Schwebe hing. Dementsprechend prominent sind die beiden auf der Bühne platziert: Drums und Gitarre am vorderen Bühnenrand rahmen Sänger Dave ein. Dessen rauchig-brüchige Stimme ist die DNA der australischen Indierock-Formation, sie verschwindet hin und wieder zwischen dramatischen Gitarrensoli und schnellen Basslinien. Dave Hosking hat direkt am Mikrofon ein Drumpad aufgebaut, bei einigen Songs spielt er Akustikgitarre oder Schellenring.

Boy & Bear sind das erste Mal nach vier Jahren Abstinenz wieder in Europa auf Tour und können sich auf viele treue Fans verlassen. Wohl fühlen sie sich hier in Berlin, sagt Sänger Dave, das Lido ist rappelvoll. So erleichtert die Menschen über die Rückkehr von Boy & Bear auch sind, richtig euphorische Atmosphäre will sich am Samstagaben nicht einstellen. Da ist der eine Typ an der Bar, der laut und textsicher mitsingt. Ansonsten ist bei den mehreren Hundert Menschen im Saal eher Mitwippen im Tanzmodus angesagt.

Nun auch mit Zugaben

Boy & Bear strahlen in den mehrstimmigen Satzgesängen und den leisen Teilen ihrer Balladen. Männer mit Gefühl sind sie, ganz ohne große Bühnenshow. Das ist ehrlich wie Gitarrenmusik am Lagerfeuer. Sie wirken dabei aber auch ein bisschen müde, so als ob sie direkt vom Bett im Tourbus auf die Bühne gefallen wären.

Die emotionale Lücke zwischen Bühne und Saal will sich den ganzen Abend über nicht schließen. Am ehesten noch in dem Moment, als Boy & Bear frenetisch für Zugaben auf die Bühne geklatscht werden. Noch bei ihrer letzten Tour haben sie darauf verzichtet. Beim Cover von Jonathan Jeremiahs "Heart Of Gold" huscht ein erleichtertes Grinsen über das Gesicht des Sängers Dave Hosking. Zum Ende hin haben sich Boy & Bear und das Publikum ganz gefunden. Schade, dass es dafür bis zur Zugabe gedauert hat. Noch ein paar Songs mehr, und die australischen Indierock-Männer mit Gefühl hätten sich wahrscheinlich komplett freigespielt.

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