20. Juni 1980 Bob Marley and the Wailers

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20. Juni 1980
Bob Marley and the Wailers
Mit freundlicher Unterstützung von Uwe Behm
Mit freundlicher Unterstützung von Uwe Behm
Ort Waldbühne
Uhrzeit 19.00
Eintrittspreis AK 24,- DM
VVK 19.- DM + Geb.
Veranstalter MaMa Concerts / Albatros
Bands/Künstler
Bob Marley and the Wailers
Vorprogramm The Nighthawks
Genre
Reggae
Setlist
Bob Marley and the Wailers
Tourplakat © unknown
(Foto: ©1980 Uwe Behm)



Video

Anspiel zu einer Doku des Waldbühnenkonzerts



Erinnerungen (1)

Ein legendenumranktes Konzert, mit zweien der Legenden möchte ich hier aufräumen – aber der Reihe nach:

Der Tag begann mit einem Schock – nach tagelangem Regen blieb einer der Anlagen-Trucks im Morast des Zufahrtsweges zur Bühne stecken und musste mit schwerem Gerät befreit werden. Für den Rest des Tages blieb es aber nicht nur trocken, die Sonne kam raus und es wurde ein richtig schöner Tag, klare Luft, warm, prächtiger Sonnenuntergang hinter der Bühne. Das mit der klaren Luft hatte sich jedoch bald erledigt...

Zu den Legenden: NEIN, das Konzert war NICHT ausverkauft. Es tummelten sich ca. 16.000 Besucher in der Waldbühne (bei einer Kapazität von 22.000). Diese hatten sich aber so gut verteilt, dass es wirklich proppevoll aussah (was bei der Abrechnung mit dem Konzertmanagement der Gruppe zu einigem Ärger führte); und NEIN, das Konzert wurde nicht von Peter Schwenkows concert concept durchgeführt, sondern von Conny Konzacks Albatros Concerts und seinen wackeren und gut aussehenden Mitarbeitern. Schwenkow nutze jedoch die Gunst der Stunde, war fortan alleiniger Pächter und ließ sich als ‘Wiedererwecker‘ der Waldbühne feiern. Selbst die „Berliner Abendschau“ ist auf diese Legende hereingefallen.

Zum musikalischen Gehalt der Veranstaltung kann ich leider nichts beitragen, war ständig unterwegs von der Bühne zu den Kassenhäuschen und vice versa. Das Publikum reagierte jedenfalls enthusiastisch, als hätte es im Gefühl gehabt, dass es das letzte Konzert von Bob Marley in Berlin war...

--Trommeltom (Diskussion) 14:59, 14. Jun. 2015 (CEST)

Erinnerungen (2)

Ja, es klarte auf am frühen Abend. Als es endlich dunkel wurde, fing der Regen im zweiten Set aber wieder an. Es gab ja die erst 1982 installierte Bühnenüberdachung noch nicht und so behalf man sich mit einem extra errichteten riesigen rechteckigen Zelt, das aber nicht bis zum Bühnenrand reichte. Deshalb wurden die vordersten Lautsprecher und die Gesangsmonitore mit Plastikplanen geschützt. Nicht nur der Regen, auch die zunehmenden Rauchschwaden verhinderten einen klaren Blick auf die Bühne. An Letzteres wohl gewöhnt begeisterte Marley mit originärem Roots Reggae, welcher hier endlich einmal so langsam und mit vielen Synkopen gespielt wurde, wie es auf Jamaica üblich ist. Der ausgefeilte Sound war für den Gründer der weltberühmten Tuff Gong Studios selbstverständlich. Das geneigte Publikum zollte nicht nur Beifall, sondern zeigte auch bewegenden Ausdruckstanz. Die eingematschte Waldbühne erlebte nachfolgend eine Renaissance, begleitet von zahlreichen Umbauten. (Uwe Behm, im Juni 2015)

Berichte

Kollektive Glückseligkeit
Zeitungsbericht von Jochen Metzner im Tagesspiegel:

Zwar zogen stürmische Regenböen den ganzen Tag über das herrlich umgrünte Rund der Waldbühne. Doch wer um die sonnige Ausstrahlung Bob Marleys vom karibischen Jamaika weiß, wundert sich eigentlich gar nicht, das die viel zu selten genutzte Freilicht-Anlage pünktlich zum Konzertbeginn in strahlendes Sonnenlicht getaucht war. "Rastaman vibration is positiv" sang Marley unter dem rhythmischen Klatschen von fast 20 000 Fans, uns Widerspruch war da nicht erlaubt, auch nicht von oben. Mit diesem denkbar simplen Schlachtruf hat die Reggae-Welle inzwischen auch die letzten Winkel der Industriegesellschaft des Westens überschwemmt und dort all jene Jugendlichen mitgerissen, die sonst täglich nur von diffizilen sozialen Widersprüchen, quälenden Selbstzweifeln und überhaupt allgemeiner Verunsicherung umgeben sind.

"Possitive vibrations" braucht der Mensch nun mal! Nur so erklärt sich die massenhafte Resonanz, die eine religiös geprägte, ausgesprochen eindimensionale Reggae- und Rastafari-Ideologie plötzlich bei all denjenigen findet, die den Glauben an ein höheres Wesen kürzlich noch als "mittelalterlich" abgetan hätten. Der Rasta-Kult und sein prominentester Prediger Bob Marley kommen allerdings auch nicht mit einer starren Liturgie daher, sondern mit zeitlosen, sehr tanzbaren Grundrhythmen, die im großen Oval der Waldbühne niemanden kalt lassen. Als der Superstar (der nie ein entsprechendes gehabe an den Tag legte), die Bühne betritt, erheben sich die Fans reihenweise, springen auf die Sitzbänke, oder suchen Tanzflächen in den Zwischengängen.

Bob Marley huldigt in seinen Stücken nicht nur der karibischen Jah-Gottheit - viele Lieder enthalten auch eine sehr irdische, revolutionäre Komponente, die den Kids besonders gefällt: er singt von "Zimbabwe", dem heute unabhängigen Rhodesien, wo er kürzlich vor riesigem Auditorium ein free concert gab, Preist Marley das Zimbabwe von heute, so meint er natürlich erst recht das Südafrika von morgen. "Get up, stand up, fight for your rights", heißt es im nächsten Song, und damit ist dann die Brücke zu den Emanzipations-Kämpfen der Jugendlich in Nordamerikas und Westeuropas Metropolen geschlagen.

Die texte bob Marleys und ihr revolutionärer Impetus sind fast noch wichtiger, jedenfalls spezifischer als die Musik. Seine Begleitband, "The Wailers", hat er mit drei Refrain-Vokalistinnen verstärkt, die mit ihren Frage-Antwort-Gesängen, das afrikanische Element gegenüber dem karibischen aufwerten. Ansonsten bleibt die Gruppe einer ursprünglichen, wenig verwestlichten Reggae-Spielart treu, und über mehrere Tonstufen geführte Melodienfolge der Instrumentalisten fallen schon besonders auf. Marley ist keiner von den Wilden, den stimmlich und gestisch Zügellosen Rastafari-Beschwörern, bleibt eigentlich eher verhalten und kontrolliert in seinen Reaktionen. Sein fast zweistündiger Auftritt ließ dennoch streckenweise jene Art kollektiver Glückseligkeit aufkommen, wie man sie in hiesigen Rock-Arenen lange nicht erlebt hat. Daran konnte auch ein verspätet heranziehender Regenschauer nichts mehr ändern, der von den Zuhörern eher als weitere Attraktion des Programms empfunden wurde.

Zum Erfolg des Konzerts trug auch die Münchner Vorgruppe "The Nighthawks" bei, die mit ausgesprochen selbstsicherer Bühnen-Präsentationen und Ska-Rhythmen überraschte. (Vom 3. bis zum 5. Juli kommen die "Nighthawks" zu ihrem nächsten Berlin-Abstecher in den Jazz-Keller am Breitenbachplatz)


Originalbericht im Tagesspiegel zur Verfügung gestellt mit freundlicher Genehmigung von Cathrin Bonhoff


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