4. Februar 1987 Lutz Kerschowski, Blankenfelder Boogie-Band (und beinah Udo Lindenberg): Unterschied zwischen den Versionen

Aus Rockinberlin
Wechseln zu: Navigation, Suche
K
K
 
Zeile 16: Zeile 16:
 
}}
 
}}
  
== Erinnerungen ==
+
== Erinnerung ==
  
 
''Im Jugendklubhaus Langhansstraße ist ein Doppelkonzert angesagt: Lutz Kerschowski mit seiner Band und sein Neben-Projekt mit der Blankenfelder Boogie-Band. Nach langem Anstehen und dem Bezahlen von 100 Prozent Aufschlag (10 statt 5 DDR-Mark) komme ich rein - 20 Minuten nachdem es schon angefangen haben sollte. Aber es tut sich auch weitere 20 Minuten nicht viel. Dann, um 20:1o Uhr (statt 19:3o Uhr) legt Kerschowski los. Eine gute Stunde lang. Ich steh’ fast ganz vorn.''  
 
''Im Jugendklubhaus Langhansstraße ist ein Doppelkonzert angesagt: Lutz Kerschowski mit seiner Band und sein Neben-Projekt mit der Blankenfelder Boogie-Band. Nach langem Anstehen und dem Bezahlen von 100 Prozent Aufschlag (10 statt 5 DDR-Mark) komme ich rein - 20 Minuten nachdem es schon angefangen haben sollte. Aber es tut sich auch weitere 20 Minuten nicht viel. Dann, um 20:1o Uhr (statt 19:3o Uhr) legt Kerschowski los. Eine gute Stunde lang. Ich steh’ fast ganz vorn.''  

Aktuelle Version vom 1. Juli 2020, 00:10 Uhr

4. Februar 1987 Lutz Kerschowski, Blankenfelder Boogie-Band (und beinah Udo Lindenberg)
Ort Jugendklub Langhansstraße
Uhrzeit 19:30 Uhr
Eintrittspreis 5,- (DDR-) Mark
Bands/Künstler
Kerschowski
Blankenfelder Boogie-Band

Erinnerung

Im Jugendklubhaus Langhansstraße ist ein Doppelkonzert angesagt: Lutz Kerschowski mit seiner Band und sein Neben-Projekt mit der Blankenfelder Boogie-Band. Nach langem Anstehen und dem Bezahlen von 100 Prozent Aufschlag (10 statt 5 DDR-Mark) komme ich rein - 20 Minuten nachdem es schon angefangen haben sollte. Aber es tut sich auch weitere 20 Minuten nicht viel. Dann, um 20:1o Uhr (statt 19:3o Uhr) legt Kerschowski los. Eine gute Stunde lang. Ich steh’ fast ganz vorn.

Umbaupause. Kurz vor deren Ende entsteht hinter mir Gerangel. Leute drängen nach vorn und ich erkenne die Ordner, die erst am Eingang standen. Auf einmal Schreie. Ich guck’ nach vorn, aber nichts bewegt sich. Dann stürmen auf einmal 6-8 Ordner auf die Bühne, das Gekreisch hält an, und „geschützt“ von den Ordnern besteigt Udo Lindenberg kurz die Bühne … um hinter den Kulissen zu verschwinden.

Sofort fängt die Gerüchteküche an zu brodeln. Vor mir die Mädchen kennen den Boxentechniker und der verrät, dass es wirklich Udo Lindenberg sei und er auch ein Lied spielen würde. Ein Ordner kommt freudestrahlend hinter der Bühne hervor, eine Bildpostkarte in der Hand, auf der ich wieder Udo Lindenberg erkenne.

Dann beginnt das Konzert der Blankenfelder Boogie-Band. Sie spielt eine Stunde. Es folgen Zugaben, aber kein Udo. Die Bühne wird dunkel, der Zuschauerraum hell. Die Besucher*innen zerstreuen sich. Ich beobachte Leute, die mit Personen aus dem Kerschowski-Umfeld reden. Gerüchte: Es müsse erst etwas leerer werden, dann würde Udo kommen. Ich warte, bis nur noch ca. 20-30 Leute da sind, die Bühne ist schon fast abgeräumt – nix. Was war das denn? (Rekonstruiert aus damaligen Kalendernotizen)


20 Jahre später arbeite ich in der Stasi-Unterlagen-Behörde und zufällig gerät mir ein Bericht über die Beobachtung des privat nach Ost-Berlin eingereisten Udo Lindenberg in die Hände:

„ ... in der Zeit von 20:49 bis 21:43 hielten sich Lindenberg, XXX sowie die männliche Person im Jugendklub in der Langhansstraße 23, Berlin 1120 und von 21:49 bis 23:32 im „Zentralen Klub der Gewerkschaft Kunst / Möwe“ in der Hermann-Matern-Straße 18, Berlin 1040 auf. ...“ [MfS ZOS 1826 Bl. 61]. Mehr hat offenbar auch der Zentrale Operativstab der Stasi nicht für notierenswert gehalten. Schade.

PS: Laut Stasi soll Udo also in nur sechs Minuten vom Jugendklub Langhansstraße bis zur Möwe gefahren sein – Respekt! Heutige Routenplaner rechnen mit 15 Minuten…
--Arno P 17. Dez. 2019 (CET)


Weblinks