6. Juni 1993 Lenny Kravitz, Robert Plant

Aus Rockinberlin
Wechseln zu: Navigation, Suche
6. Juni 1993 Lenny Kravitz, Robert Plant
Universal Love Tour
6. Juni 1993 Lenny Kravitz, Robert Plant Universal Love Tour
Ort Deutschlandhalle
Uhrzeit 20.00 Uhr
Eintrittspreis AK 50,- DM
VVK 42,- DM + Geb.
Veranstalter Marcel Avram /
MaMa Concerts + Rau /
Concert concept
Bands/Künstler
Lenny Kravitz & Band
very special Guest Robert Plant & Band
Plakat © unknown
Plakat © unknown

Berichte

"Robert Plant heizte für Lenny kräftig ein"

Oft kommt es vor, das eine Vorgruppe einzig und allein aus dem Grund, den Abend zu strecken, für eine Tournee verpflichtet wird. Seltener kommt es vor das zwei gleichwertige Formationen zu erleben sind. Und noch seltener geschieht es, daß das Vorprogramm dem Haupt-Act den Wind aus den Segeln nimmt. Dieser seltene Fall trat nun [fast] ein, als Lenny Kravitz, der rastalockige Trödelhändler des Siebziger-Jahre-Rock, seine neue Show in der Deutschlandhalle offerierte. Denn mit dem Ex-Led-Zeppelin-Sänger Robert Plant hatte er eine Legende vor sich, eine Stimme, die in hysterisch-exzessiven Höhenlagen die Musik der siebziger Jahre mitgeprägt hat.


Der 45jährige Plant ist bestens bei Stimme. Mit Rückendeckung einer blutjungen Band von gleich drei Gitarristen, Baß und Schlagzeug eröffnet er mit "Calling To You" von seiner ersten Platte den Abend: ein stück in bester Led-Zeppelin-Tradition der "Kashmir" Ära. Breite Gitarrenwände zu behäbig stampfendem Beat und orientalisch anmutende Melodielinien liefern den Hintergrund für Plants emotionsgeladene Stimme. "Promised Land" ist dagegen eine von rollendem Baßbeat angetriebene Funkrocknummer, und mit "29 Palms" hat er einen puren, folklastigen Popsong im knapp 50minütigen Repertoire, doch selbst der erhält in seiner extravagante Art Format.
Wer "Stairways To Heaven" erwartet hatte, wurde freilich enttäuscht. Dafür Gab's Zeppelin-Klassiker wie "Ramble On" und "Whole Lotta Love" als furioses Finale. Und das faszinierendste: Kids im Publikum, deren Vater Plant sein könnte, singen die Songzeilen der alten Erfolge mit. Der Applaus war so lautstark wie die Buhrufe, nachdem abrupt das Saallicht und die Pausenmusik angingen und Plant damit jede Chance zu einer Zugabe genommen wurde. Ende des Jahres will er mit eigener Tournee zurückkehren. Man darf sich freuen.


Weniger Große Freude versprühte im Anschluß Lenny Kravitz. Er hat sich mit Konsequenz in Berlin großgespielt. Sein erstes Gastspiel fand noch im Loft statt, danach war das Metropol ebenso ausverkauft wie später das Tempodrom. Die Deutschlandhalle konnte er nun nicht gänzlich füllen und nach einem trotz soundmäßiger Einschränkungen so grandiosen Vorprogramm versucht Kravitz erst einmal, durch Lautstärke zu bestehen. Mit einer Phongewalt, als wolle er jede Heavy-Metal-Band dieses Planeten ausstechen, bretterte er seine genial zusammengeklaubte Musik in die Halle. Dabei waren die drei Sängerinnen über weite Strecken kaum zu vernehmen, und auch die beiden Bläser erstickten mitunter im Gitarrengetöse.


Kaum ein anderer Musiker bedient sich so auffällig an Vorbilder der Vergangenheit, bei kaum einem anderen Musiker findet sich so wenig musikalische Eigenständigkeit wie bei Lenny Kravitz. Er bastelt seine Musik aus Versatzstücken von Hendrix, Lennon/McCartney und Sly Stone zu einem klingenden Puzzle Marke Das-habe-ich-doch-schon-mal-gehört? zusammen. Wie eine Top-40-Band aus Schlaghosen-Zeiten rattern Kravitz und seine Mitmusiker routiniert ein 70-Minuten-Programm (plus gut halbstündigem Zugabenblock) herunter und machen die Fans happy mit Hilfe wie "Mama Said" oder "Let Love Rule". Bei " It's Not Over Til It's Over" bedient er sich der glorreichen Motown-Soul-Vergangenheit und singt dazu wie Prince.


Das ist alles so offensichtlich und unoriginell, daß es irgendwann keinen Spasß mehr macht zuzuhören, Viele gehen tatsächlich, doch das Gros der eisenharten Fans feiert seinen Lenny mit lauten Ovationen.

Bericht von Peter E. Müller vom 8. Juni 1993 in der Berliner Morgenpost



Weblinks