7. Oktober 2019 New Order

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7. Oktober 2019 New Order
New Order 2019-10-07.jpg
Ort Tempodrom
Uhrzeit 20.00 Uhr
Eintrittspreis 60,50 Oberrang Block 12
Veranstalter MCT GmbH
Bands/Künstler
New Order
Support Stolen
Setlist
New Order
Stolen
Plakat © unknown

Das Konzert war ausverkauft.

Berichte


Bericht von Martin Spiller auf rbb24 vom 8. Oktober 2019

Die wahrscheinlich größte kleine Band der Welt

Keine Rockstars mit gigantischen Stadion-Shows, und doch Musiklegenden mit riesigem Einfluss. Mit ihren großen Hits wie "Blue Monday" und "True Faith" beehrten New Order das Tempodrom. Dabei brachten sie es aber nicht wirklich zum Beben.
Jagdszenen aus Kreuzberg flimmern über eine große Video-Leinwand: ausgebrannte Autos, herumliegende Pflastersteine, Punker mit Bierflaschen. Es sind Bilder aus der 80er Jahre West-Berlin-Dokumentation "B-Movie", Und es ist das Video zum Song "Singularity". Was für ein Auftakt für ein Berlin-Konzert von New Order!

Es interessiert nur leider vor der Bühne kaum jemanden. Der Applaus zur Begrüßung ist kurz, brav und verhalten. Tanzende Fans kann man an einer Hand abzählen. Bleibt das etwa so?

Einer fehlt wieder

Auf der Bühne stehen New Order mittlerweile zu fünft. Und trotzdem fehlt einer. So sehr, dass manche Fans behaupten: Ohne Peter Hook ist das gar nicht New Order. Peter Hook: der mit dem Bass auf den Knien, der Mann, der den Viersaiter zum Soloinstrument erklärt hatte. Gestritten hatten sie sich schon immer - Hook und Sänger Bernhard Sumner. Vor zwölf Jahren kam es endgültig zum Bruch.

Ersatzmann Tom Chapman macht seine Sache auf der Bühne durchaus gut. Aber der Bass hängt einfach noch nicht tief genug, das muss bei New Order anders aussehen.

80er im Mittelpunkt

Die Songauswahl ist breit gefächert: Es geht einmal vor und zurück durch das New Order-Plattenregal. Es gibt "Temptation" aus dem Album "Movement" zu hören, "Subculture" aus "Low Life", "Yor silent face" aus "Power, Corruption and Lies", außerdem "Regret" aus den schwierigen "Republic"-Zeiten. Und "Restless" und "Plastic" aus dem immer noch neuesten Album von 2015, "Music Complete".

Gar nicht vertreten auf der Setlist sind allerdings die Alben aus den 00er Jahren - was im Fall des famosen "Get Ready" besonders schade ist. Allerdings war Peter Hook da eben auch besonders präsent.

Tanzhalle Tempodrom?

Peter Hook stand immer eher für die rockige Seite von New Order. Einer Band, deren Sound immer ein bisschen zwischen Postpunk und New Wave mäanderte. Mal gab’s mehr Gitarre, mal wieder mehr Synthesizer.

Im Tempodrom dominiert die Elektronik - natürlich im Zusammenspiel mit Schlagzeuger Steven Morris, dem Mensch gewordenen Drumcomputer. Und wenn eine Nummer wie "Bizarre Love Triangle" jetzt nicht so besonders tanzbar ist? Dann wird sie eben tanzbar gemacht. Was leider auch diesmal wieder zu einer ausgesprochen scheußlichen Version des Klassikers "True Faith" führt.

Bandgründung unter tragischen Umständen

Verschont davon bleiben natürlich Songs von Joy Division. Gleich vier Stück spielen New Order, bis ganz zum Schluss bei "Love will tear us apart" auf der Videowand "Joy Division forever" erscheint. Ein großer Moment.

Denn man darf nicht vergessen: New Order hätte es eigentlich gar nicht geben sollen. Es gab Joy Division. Doch dann erhängte sich Frontmann Ian Curtis. Joy Division war Geschichte. Die anderen Bandmitglieder entschieden sich nach kurzer Pause zur Neugründung - als New Order.

Jetzt singt Bernhard Sumner "Transmission" und "She's lost control". Überraschend gut sogar. Denn der beste Livesänger war er eigentlich nie. Statt gehobenerer Töne gibt’s schon mal ein geschrienes "Hey". Wir sind doch auch zum Spaß hier!

Der Funke springt lange nicht über

Wacht das Publikum dadurch nun auf? Bedingt. Bei "Blue Monday" kommt etwas Bewegung in die Menge. Das ist aber schon das vorletzte Stück vor den Zugaben.

Das muss in der Hazienda damals doch irgendwie anders gewesen sein. Jenem legendären Szene-Club in Manchester - Pardon, "Madchester" -, an dem New Order maßgeblich beteiligt waren. Im ausverkauften Tempodrom stehen jedenfalls keine wild feiernden 24hour-Party-People wie im bekannten Dokumentarfilm.

Dass man trotzdem keine Sekunde das doofe Gefühl hat, einer müden Ü40-Party beizuwohnen, liegt alleine an der Zeitlosigkeit von New Order, die auch nach Jahrzehnten einen Untergrund-Film bebildern kann, ohne dass es albern wirkt. Nicht schlecht für eine Band, die es nie hätte geben sollen.

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