Erinnerungen Arno P

Aus Rockinberlin
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Konzerte

Konzert Erinnerungen Ort
4. Februar 1987 Lutz Kerschowski, Blankenfelder Boogie-Band (und beinah Udo Lindenberg)

Im Jugendklubhaus Langhansstraße ist ein Doppelkonzert angesagt: Lutz Kerschowski mit seiner Band und sein Neben-Projekt mit der Blankenfelder Boogie-Band. Nach langem Anstehen und dem Bezahlen von 100 Prozent Aufschlag (10 statt 5 DDR-Mark) komme ich rein - 20 Minuten nachdem es schon angefangen haben sollte. Aber es tut sich auch weitere 20 Minuten nicht viel. Dann, um 20:1o Uhr (statt 19:3o Uhr) legt Kerschowski los. Eine gute Stunde lang. Ich steh’ fast ganz vorn.

Umbaupause. Kurz vor deren Ende entsteht hinter mir Gerangel. Leute drängen nach vorn und ich erkenne die Ordner, die erst am Eingang standen. Auf einmal Schreie. Ich guck’ nach vorn, aber nichts bewegt sich. Dann stürmen auf einmal 6-8 Ordner auf die Bühne, das Gekreisch hält an, und „geschützt“ von den Ordnern besteigt Udo Lindenberg kurz die Bühne … um hinter den Kulissen zu verschwinden.

Sofort fängt die Gerüchteküche an zu brodeln. Vor mir die Mädchen kennen den Boxentechniker und der verrät, dass es wirklich Udo Lindenberg sei und er auch ein Lied spielen würde. Ein Ordner kommt freudestrahlend hinter der Bühne hervor, eine Bildpostkarte in der Hand, auf der ich wieder Udo Lindenberg erkenne.

Dann beginnt das Konzert der Blankenfelder Boogie-Band. Sie spielt eine Stunde. Es folgen Zugaben, aber kein Udo. Die Bühne wird dunkel, der Zuschauerraum hell. Die Besucher*innen zerstreuen sich. Ich beobachte Leute, die mit Personen aus dem Kerschowski-Umfeld reden. Gerüchte: Es müsse erst etwas leerer werden, dann würde Udo kommen. Ich warte, bis nur noch ca. 20-30 Leute da sind, die Bühne ist schon fast abgeräumt – nix. Was war das denn? (Rekonstruiert aus damaligen Kalendernotizen)


20 Jahre später arbeite ich in der Stasi-Unterlagen-Behörde und zufällig gerät mir ein Bericht über die Beobachtung des privat nach Ost-Berlin eingereisten Udo Lindenberg in die Hände:

„ ... in der Zeit von 20:49 bis 21:43 hielten sich Lindenberg, XXX sowie die männliche Person im Jugendklub in der Langhansstraße 23, Berlin 1120 und von 21:49 bis 23:32 im „Zentralen Klub der Gewerkschaft Kunst / Möwe“ in der Hermann-Matern-Straße 18, Berlin 1040 auf. ...“ [MfS ZOS 1826 Bl. 61]. Mehr hat offenbar auch der Zentrale Operativstab der Stasi nicht für notierenswert gehalten. Schade. Eine andere Stasi-Hauptabteilung informierte nur über den Besuch in der "Möwe" - siehe Anlage.

PS: Laut Stasi soll Udo also in nur sechs Minuten vom Jugendklub Langhansstraße bis zur Möwe gefahren sein – Respekt! Heutige Routenplaner rechnen mit 15 Minuten…
--Arno P 17. Dez. 2019 (CET)

Jugendklub Langhansstraße
9. Juli 1995 Bruce Springsteen

Sommer 1995, mein Bruder hat Geburtstag. Am Ehrentag selber können wir uns nicht treffen, doch wenige Tage später sitzen wir auf seinem Balkon in dem ansteigend brummenden Kiez vom Helmholtzplatz. Wir kommen ins Quatschen, doch zunehmend irritiert uns, dass in scheinbar direkter Nachbarschaft irgendeiner nun schon zum xxx-ten Mal überlaut SPRINGSTEENs Hungry Heart abspielt (Selbst setlist.fm benennt sieben separate Aufführungen). Als dann zwischen uns (fast) alles gesagt und das Bier alle ist, gehe ich einen kleinen Umweg, um die Quelle des Hungry Heart-Wiederholungstäters zu erkunden. Zwei Straßenecken später stehe ich vorm Cafe ECKSTEIN und traue meinen Augen nicht: Durch die Fenster sehe ich den BOSS mit Wolfgang Niedecken (BAP) und SIE sind es, die das HUNGRY HEART live in den späten Abend schicken. Das Cafe ist übervoll, auf der Straße drängeln sich die Leute. Ein (damals sicher noch nicht so genannter) Späti hat das Geschäft seines Lebens, die nicht mehr hinein passenden Leute fangen draußen an zu tanzen. Anrückende Polizei versucht, den Autoverkehr weiterhin passieren zu lassen, beschränkt sich später darauf, nur noch die Straßenbahn freizukämpfen: Das Video dazu fängt das teilweise ein. Insgesamt kommen wir noch in den Genuss von ca. 10 weiteren Titeln, die Springsteen und Niedecken sich und uns dann noch gönnen, um von der Wiederholungsserie wegzukommen… Inzwischen gibt’s verschiedene Dokumentationen / Bootlegs dessen – siehe unten.--Arno P 00:51, 17. Nov. 2018 (CET)

Ausführlicher beschreibt es übrigens Rockfrank in seinem Bericht

Cafe Eckstein
8. Februar 2008 Patti Smith

Es war ein sehr intensiver, ergreifender Abend, den ich nicht besser in Worte fassen kann, als der unten verlinkte Bericht auf der ROLLING STONE-Webseite ihn beschreibt.
--Arno P (Diskussion) 00:02, 1. Jul. 2020 (CEST)

Passionskirche
8. März 2019 Melissa Etheridge

Als (auf den Tickets nicht angekündigtes) Vorprogramm kam Lucy Spraggan auf die Bühne. Eine Frau mit Gitarre und großem Redeschwall; begleitet von einem Mann am E-Piano, der gelegentlich die 2. Stimme sang. Die beiden begannen recht genau 20 Uhr und spielten 5-6 Stücke bzw. 20-25 Minuten. Nichts Weltbewegendes; meinen Begleiter erinnerte ihre Stimme und ihr Vortragsstil an eine Mischung von Anna-Lena Baerbock und Avril Lavigne. Dann gabs eine insgesamt zu lange Pause, die nur kurz für Umbauten benötigt wurde…,

... bis um 21 Uhr Melissa begann. Sie kam mit 3-köpfiger, männlich besetzter Begleitband: Bass, Schlagzeug, Hammond-Orgel. Der Keyboarder durfte sich im Laufe des Abends bei 4 Stücken auf Abwege begeben: 2 x E-Gitarre, 2 x Pedal-Steel-Gitarre. Melissa war sowohl mit akustischen (auch 12-saitiger) als auch elektrischen Gitarren präsent; mit souveränem Spiel im Wechsel zwischen Rhythmusgitarre, Fingerpicking und Rocksolo. Vor die Songs setzte sie mehrfach relativ lange Erzähltexte; oft mit Musik untermalt – was durchaus an Bruce Springsteen erinnerte. Sie sprach u.a. von ihrem ersten Berlin-Auftritt 1988,[1] vom Mauerfall (nach einem Auftritt am 8.11.1989 in Hannover kam sie nach Berlin und konnte spontan beim Konzert für Berlin am 12.11.89 mitmachen), dem Krebstod des Vaters und ihrem eigenen erfolgreichen Kampf gegen den Krebs (inzwischen15 Jahre krebsfrei) und ihr Coming out.

Die ersten zwei Drittel des Konzertes boten eine gute Mischung von balladesk bis rockig; oft innerhalb der Stücke wechselnd, sehr dynamisch. Sehr eindringlich geriet für mich „Used to love to dance“, bei dem sie u.a. mit ihrer Gitarre eine Tanzpartnernummer simulierte und dann daraus ein furioses Solo ableitete. [2] Im hinteren Drittel des Sets wurde es für meine Verhältnisse zu monoton rockig und die letzten beiden Titel als Bekanntere gerieten etwas zu lang mit ausgedehntem Geschrammel auf der Rhythmusgitarre und beifallheischendem Auf- und ab-Wandern längs der Bühne, wie schon vorher auch etwas viel Mit-Mach-Animation (OHO AHA, OHO AHA) präsent war. Überraschend bei den letzten Titeln war ein kurzer Ausflug an die Mundharmonika und eine Hilfestellung beim Drummer, mit dem sie ein Schlagzeug-Duett performte.[3] Letztlich spielte sie gut 2 Stunden im Block und dann eine über 15 Minuten lange Fassung von „Like the Way I Do“ als einzige Zugabe. Es gab einen guten Sound, der aber bei bestimmten Gesangspassagen auch mal schrill wurde. Das Tempodrom war im Übrigen nicht ausverkauft.--Arno P (Diskussion) 23:59, 30. Jun. 2020 (CEST)


Tempodrom
4. November 2019 Engerling

Zunächst gab es eine Diskussionsrunde über die Geschichte / Rolle / Bedeutung der Bluesmessen in Ost-Berlin (u.a. mit Body Bodag und dem sich - wie immer - gut in die Diskussion einbringenden Historiker Ilko Sascha Kowalczuk).

Ca. 20:40 Uhr (also mit 10-minütiger Verspätung) begann dann das Engerling-Konzert mit dem einzig komplett englisch-sprachigem Titel Little Red Rooster, der direkt in das Instrumental Albatros überging. Beides begleitet von der Slide-Gitarre von Band-Urgestein Heiner Witte. Überhaupt war eben diese Slide-Gitarre heute Abend angenehm oft zu hören.

Es folgte ein überwiegend deutschsprachiges Programm, beginnend mit dem namensgleichen Engerling-Blues, dem sich etliche Klassiker des Band-Repertoires anschlossen (u.a. Egoland, Moll-Blues, Molls Party, Jetzt kommen andere Zeiten / The Times are changing). Bei Letzterem begleitete erstmals die Violonistin Shir-Ran Yinon die Band, was sie letztlich in der Mehrzahl der dargebotenen Titel fortsetzte; auch mit Gesang. Erster Höhepunkt, nach über einer Stunde Konzert, war dann Mama Wilson mit Bodies Mundharmonika-Einsatz. Getoppt wurde das aber dann mit einer überlangen Version des Narkoseblues. Body verwies zuvor schon in der Ansage darauf, dass nach dem Titel um den toten Alan Wilson nun noch weiterer Verstorbener gedacht werden soll. Und so mündete der Narkoseblues in einer Mega-spannenden instrumentalen Version vom Apfeltraum (somit an die verstorbenen RENFT-Mitglieder Klaus „Renft“ Jentzsch und Peter „Cäsar“ Gläser erinnernd) und bettete darin noch Melodiefetzen von White Room, Major Tom, Free Falling und Burning Fire ein; gab somit Reminiszenzen an Jack Bruce, David Bowie, Tom Petty und Johnny Cash. Nach gut 90 Minuten war dann Schluss, doch ohne sich lange bitten zu lassen, gab es noch das Herbstlied als Zugabe.

Die Kirche war gut besucht – aber nicht proppevoll, der Sound war für ne Kirche okay und die Stimmung war gut. Summa Summarum: Für ein Umsonst-Konzert ein ausgesprochen gutes Erlebnis in eingebettetem Kontext & Ambiente. --Arno P 00:32, 10. Nov. 2019 (CET)


Gethsemanekirche
16. September 2018 Nick Mason

Angekündigt als noch junges Projekt eines alten PINK FLOYD-Mitglieds, noch dazu mit der von vornherein angekündigten Ausrichtung auf das Œuvre der jungen PINK FLOYD, war klar, dass es hier nicht DARC SIDE OF THE MOON, WISH YOU WERE HERE oder THE WALL zu hören gäbe – was mich aber gerade umso mehr reizte! In Anbetracht des Alters des Initiators, der offenbar erst letztes Jahr seine Band zusammenstellte, und des Rezipienten (der sich bei dieser Art von Musik auch über ein SITZ-Konzert freut), ging die Form der Präsentation schon mal auf: Auch der Innenraum des TEMPODROMs war bestuhlt.

Interessant gestartet mit Klassikern wie INTERSTELLAR OVERDRIVE oder ASTRONOMY DOMINE ergaben sich dennoch ernüchternde Momente, wenn die (vermutlich chronologisch-orientierte) authentische Wiedergabe von Songs aus damaliger Zeit erkennen ließ, dass die frühen FLOYD seinerzeit offenbar (auch) auf der Suche danach waren, wo ihr Platz neben / zwischen den BEATLES und den STONES sein könnte. Einige der (zum Glück) kürzeren Songs im Set des Abends waren daher für mich verzichtbar und bedienten definitiv nicht meine FLOYD-Erwartung. Sie waren allenfalls die Präsentation damaliger Sinnsuche über psychedelisch-antike Plasma-Blasen… Insgesamt aber war es ein gut funktionierender Abend mit sauberem Sound und einer gelungenen Rückorientierung auf die 1960/70er Jahre.--Arno P (Diskussion) 12:11, 11. Nov. 2018 (CET)

Tempodrom
21. Mai 2016 Yes

Okay,

YES ohne die Stimme von Jon Anderson ist natürlich gewöhnungsbedürftig. Und angeblich war es die Besetzung Nr. 31, die da im Admiralspalast gastierte (siehe unten: Bericht der BZ). Dennoch war es hochinteressant und unterhaltend, in dieser Live-Präsentation zwei komplette Alben (und mehr) hören und sehen zu können. --Arno P (Diskussion) 23:49, 30. Jun. 2020 (CEST)

Admiralspalast
27. Dezember 2019 Pugsley Buzzard

Zwei Freunde der gepflegten Unterhaltungsmusik ziehen durch den Prenzlauer Berg. Der Eine will dem Anderen nur mal kurz zeigen, wo die Kneipe ist, die der Monokel-Basser Speiche gründete und lange selbst betrieb. Es ist früher Abend. Vor dem anvisierten Haus steht eine kleine Menschentraube und just im Vorbeigehen wird die Tür aufgeschlossen und die ca. 15 Leute strömen in den Kneipenraum. Ein kurzer Blick auf den Ankündigungsmonitor: In 1,5 Stunden soll hier Pugsley Buzzard aus Australien auftreten. Wer? Keine Ahnung! Eintritt? Nö, nix! Da die (Raucher-)Kneipe urig wirkt und die Luft ja noch frisch ist, gehen wir rein, sichern uns zwei Plätze am Tresen. Derweil bauen die Musiker auf, machen um 20 Uhr einen Soundcheck, inkl. eines kompletten Titels, bis dann doch erst um 21 Uhr die eigentliche Show beginnt. Diese entpuppt sich als stark pianogeprägte Blues-/Boogie-orientierte Session mit einem mit tiefer, rauchig-krächzender, aber sympathischer Stimme vorgetragenen Gesang. Offenbar als Trio in der Besetzung Piano, Bass und Schlagzeug unterwegs, hat sich für den heutigen Abend noch kurzfristig ein Gitarrist einspannen lassen, der hier im Wiki auch schon mehrfach erwähnt ist: Waldemar „Waldi“ Weiz. Die Kneipe ist inzwischen sehr gut voll (wenn auch im direkten Bereich vor der Bühne bestuhlt mit Tischen) und die Luft wird dicker. Auch angereichert mit nicht nur Tabakdüften. Nach ca. 45 Minuten betreten zwei uniformierte Polizisten die Kneipe, kämpfen sich zum hinteren Ende des Tresens durch und fordern reduzierte Lautstärke. Nach dem Ende des aktuellen Titels erreicht die Botschaft auch die Musiker, diese wird ironisierend kommentiert & scheinbar akzeptiert. Bevor der nächste Titel sich voll entfaltet, ist die Ordnungsmacht wieder draussen… Nach ca. einer Stunde Konzert gibt’s 'ne Pause, in der ein Hut für 'ne Sammlung für die Musiker durch den Saal kreist und die Freunde der gepflegten Unterhaltungsmusik ziehen weiter zum Cafe Eckstein, wo die nächste Anekdote wartet... --Arno P 16:36, 30. Dez. 2019 (CET)

Eine nachträgliche Recherche ergab:

Pugsley Buzzard ist ein aktuell in Berlin lebender Musiker, der seine Musik als Louisiana Hoodoo Blues bezeichnet. Er wird begleitet von Tobias "Tobi" Fleischer (Bass) und dem offenbar schon mit dem German Blues Award als Bester Schlagzeuger ausgezeichneten Micha Maass. Siehe auch LINKs. Und 'ne aktuelle CD gibts auch; LIVE in Berlin aufgenommen im Mai diesen Jahres im Yorckschlößchen, zu finden auf der Micha Maass-Seite unter Shop.

Speiches Rock- und Blueskneipe
29. Oktober 2019 The Musical Box

Ich sah die Band schon mal vor etlichen Jahren, damals mit der SELLING ENGLAND BY THE POUND – Tour. Diesmal war das Konzept ein anderes (siehe oben) und ich bin weniger zufrieden, als damals euphorisiert. Insgesamt ist ja bei Cover-Projekten prinzipiell die Herausforderung, entweder eine möglichst perfekte Kopie zu spielen oder durch einen eigenen Ansatz eine neue Interpretation anzubieten. TMB versuchen das Erstere. 2003 erschien es mir überzeugender – vielleicht wegen der Vorstellung eines kompletten GENESIS-Albums bzw. GENESIS-Tour von damals. Der übergreifende Ansatz der aktuellen TMB-Tour brachte eine Reduzierung der visuellen Begleitung mit sich, was mich zwangsläufig mehr auf die Musiker und ihre Instrumente / ihren Habitus achten ließ. Im Positiven konnte da der Einsatz von Doppel-Hals-Gitarre und bis zu drei parallel eingesetzten Zwölf-Saitern beobachtet werden. Irritierend wurden hingegen Abweichungen von den so vielfach gehörten Original - LP/CD wahrgenommen. Und da geht es um Sound, Klangfarben, Stimmen, Outfit und dergleichen …

Zufrieden stellte der lange Auftritt: Mit nur 5-minütiger Verzögerung begann das erste Set, in dem sich der Frontmann auch mehrfach um deutschsprachige Ansagen bemühte. Nach einer knappen Stunde gabs 20 Minuten Pause, gefolgt vom 2. Teil, der dann etwas länger als eine weitere Stunde dauerte. Nach nur kurzer Beifallspause kamen TMB dann für die krönende Zugabe raus: Das knapp halbstündige SUPPERS READY. Eher ungewohnt, aber durchaus angenehm: Ich kannte jeden der gespielten Titel. Insofern gab es eine 100-prozentige Wiedererkennungsquote mit Einladung zum Mitwippen.

Das Drumherum:

Der Sound war okay. Ich persönlich hätte mir etwas mehr Bass und auch mehr Lautstärke gewünscht. Die Halle war bei weitem nicht ausverkauft – im Gegenteil: 15 Minuten vor Showbeginn musste man fürchten, dass nicht mal 100 Leute zuschauen wollten. Dank des eingeschworenen Fan-Kreises um das IT-Forum, das offenbar über den Veranstalter die zentralen Parkettplätze blocken konnte, füllte sich dann kurz vor Konzertbeginn doch wenigstens die vordere Hälfte des Parketts. Aber insgesamt war wohl eine deutlich zu große Halle gebucht worden. Angesichts der Preise von um die 80 Euro für die Parkettplätze kann man trefflich spekulieren, welche Abhängigkeiten da bestehen …

Dass bei den wenigen Zuschauer*innen dennoch Warteschlangen an den Getränkeständen entstanden, nervte. Und 6 €uro für ein 0,5er Weizenbier aus der Flasche ist ja glatt ne Empfehlung für den Alkohol-Entzug ;-((

--Arno P 00:37, 10. Nov. 2019 (CET)

Verti Music Hall
8. Dezember 2018 John Cale und Orchester

Dass das Konzert nicht ganz pünktlich begann, wird eher den draußen noch auf Einlass wartenden Besucher*innen als den Starallüren der Künstler*innen geschuldet gewesen sein. Dennoch ging es ziemlich pünktlich los: Die begleitenden Streicher*innen und Bläser stimmten sich auf ihren Kammerton a ein und kurz nach 20 Uhr kam der Star des Abends mit seiner Band auf die Bühne. Das Konzert startete mit einem Geschrammel auf den klassischen Instrumentensaiten, das einem sofort den Sound der Velvet Underground in Erinnerung rief – wenn man denn nicht als Kulturbanause meinte, die Orchestermitglieder würden nochmal ihre Instrumente stimmen ;-)

Insofern war der Erwartungsdruck, Reminiszenzen an VU-Zeiten auch zu hören, sofort eingelöst und doch gebrochen, denn es dauerte mehrere Titel, bis der Autor, der denn doch über VU-, John Cale- und Lou Reed- Platten in mittlerer 2 stelliger Summe verfügt, ein erstes Stück wieder erkannte (wofür andererseits ja JC auch bekannt ist; dass er seine Stücke durchaus auch verfremdet, verändert, …). Und der erste richtig erkennbare KLASSIKER war dann mehr oder weniger typisch WAITING FOR MY MAN, als letzter Titel vor der Zugabe… Cale trat auf in klassischer Rock-Besetzung mit Lead-Gitarre, Bass und Schlagzeug, aber ergänzt mit schon erwähntem kleinen Orchester, einer Handvoll Streicher*innen (unter denen ich überraschend einen alten Schulfreund wieder erkannte) und 3 oder 4 Blechbläsern.

Bei gutem Sound (Lead- und Bassgitarre hätten aber durchaus stärker zu hören sein dürfen, denn die Action, die der Basser vollführte, war von meinem Platz aus akustisch kaum nachzuvollziehen und die Solos des Gitarristen hätte ich gerne auch lauter vernommen, da sie überwiegend gegen den Strich gebürstet und eben nicht Melodiegitarrenhaft rüberkamen) entspann sich ein knapp 2-stündiges Konzert in einem Wechsel von Stücken, die durchaus als SONGS durchgingen, die aber immer wieder von tatsächlichen WERKEN abgelöst wurden, denen keine direkte Strophe-Refrain-Struktur zuzuordnen war, die sich langsam, mitunter infernalisch aufbauten – getragen von einer klaren Stimme Cales, die man sich fürs gleiche Alter dann auch wünscht. Er selbst saß überwiegend am E-Piano; nur für wenige Stücke wechselte er zur Gitarre und dem Gesangs-Mikrofonständer.

Die Verti Music Hall war diesmal auch im Parkett bestuhlt und unter dem anwesenden Publikumsaltersdurchschnitt fühlte ich mich als Mittfünfziger nicht falsch. Die Sitzatmosphäre trug zwar auch dazu bei, dass sich 2-3 Mal nach den Beifallsbekundungen ein paar Sekunden tatsächlicher Stille aufbauten, dennoch dürfte sich Cale willkommen gefühlt haben. Nach gut 1,5 Stunden gab‘s dann noch eine kleine Zugabe (ohne Streicher*innen und Bläser) und um 22 Uhr waren wir entlassen in die Entscheidung, ob und was aus dem angebrochenen Abend noch zu machen wäre. --Arno P 13:40, 9. Dez. 2018 (CET)

Verti Music Hall
7. November 2019 Randy Hansen

Randy Hansen erschien mit 3-köpfiger Band: Bass, Schlagzeug, Gitarre. Er selbst im Jimi Hendrix-Look: Hippieske Klamotten, Hut + Kopftuch. Die Band begann pünktlich mit einer eigenen Version von Sgt. Pepper – halt im Hendrix Modus. Auch später gab er den Beatles noch ein paar Takte, in dem er Day Tripper intonierte.

Was man merkt: Hansen ist kein purer Imitator. Es schien, er lebt das. Zugute kommt ihm, dass er stimmlich dicht bei Jimi ist. Der Sound der Band ebenfalls dicht am Original, sehr stimmig. So dass egal war, ob Ton für Ton „echt“ nachgespielt war. Randy Hansen war sehr virtuos, was bei der niedrigen Bühne leider schlecht optisch zu verfolgen war, wenn man nicht vorne stand. Dank eines Ausflugs ins Publikum kam er dennoch bis auf einen Meter ran und spendierte in dieser Nähe ein Zungen-gespieltes Solo und per flugs gegriffenem (leeren) Bierglas auch noch den SLIDE-Effekt.

Nach 1,5 Stunden regulären Set gab es, ohne dass die Band überhaupt von der Bühne verschwand die Zugabe: Foxy Lady. Vorher waren etliche Hendrix-Klassiker zu hören, darunter: Little wing, All along the watchtower, Voodoo chile.

Das Quasimodo war gut gefüllt; es gab aber noch Karten an der Abendkasse. Der Sound war etwas dumpf, aber akzeptabel. Direkt nach Konzert-Ende war Randy Hansen dann am Merchandising-Stand und „blockierte“ den Ausgang ;-)

--Arno P, 18:41, 9. Nov. 2019 (CET)


Quasimodo
6. November 2019 Fehlfarben, Zerfall

Bisher hatte ich Zerfall nicht auf’m Schirm. Das Parocktikum-Wiki beschreibt sie als Punk-Band. Doch ist das noch Punk, wenn die Band pünktlich beginnt, der Sound gut ist und die Gitarre nach ein paar Songs neu gestimmt wird ;-)) ??

Zerfall boten die klassische Rock-/Punk-Besetzung: Bass, Schlagzeug, Gitarre + Sänger. Immerhin die Attitüde war PUNK: Die Songs waren schnell, laut und kurz. Die Bierflaschen kreisten und die Texte boten die typischen Parolen gegen Polizei, Staat, Kapitalismus - aber ein eigener Haufen Geld wäre schon schön. Kurz vor Schluss des 40-Minuten-Auftritts gab es einen Willkommens-Gruß an „Die blauen Möven“ ?? - -worauf knapp 10 weitere Punker*innen die Bühne enterten und einen zarten Pogo mit der Band zelebrierten. Der Schlusstitel enthielt dann kurze Textbezüge zu den SCHERBEN und einen Hinweis auf die anschließend auftretenden FEHLFARBEN: Wir sind die Türken von morgen. Trotz aufkommenden Niesel- und Starkregens lauschten dem Zerfall Hunderte Leute.

Eine Viertelstunde danach, ab ca. 20:30 Uhr, spielten die Fehlfarben mit einer gegenüber Zerfall erweiterten Besetzung: neben Bass, Schlagzeug(erin), Gitarre + Sänger nun auch noch Keyboard + Blasinstrumente (Saxophon, Triola). Fehlfarben boten dann auch gediegenere Kompositionen, längere Stücke, einen komplexeren musikalischen Ansatz – bei annähernd gleicher Spielfreude.

Übers Konzert verteilt erklangen auch die drei Hits MILITÜRK, EIN JAHR (ES GEHT VORAN) und PAUL IST TOT, die alle eher unter anderen Zeilen ihrer Texte berühmt wurden: KEBABTRÄUME IN DER MAUERSTADT (oder auch: WIR SIND DIE TÜRKEN VON MORGEN), GESCHICHTE WIRD GEMACHT bzw. WAS ICH HABEN WILL, DAS KRIEG ICH NICHT… . Obwohl sie die gleiche Bühne und Anlage wie Zerfall nutzten, erschien der Sound etwas schlechter; insbesondere das Gesangsmikro war zu leise. Bei zum Glück nachlassendem Regen spielten sie 50 Minuten und dann noch zwei Zugaben. Trotz des schlechten Wetters lauschten mehrere Hundert Leute – etliche mehr als bei Zerfall. --Arno P 01:53, 9. Nov. 2019 (CET)

Alexanderplatz
5. November 2019 Patti Smith & Tony Shanahan

Angekündigt wurden zwei Konzerte von Patti Smith und Tony Shanahan, die an besonders intimen Orten spielen sollten. Der Termin am Montag, 4. November im Pierre Boulez Saal soll auf Einladung von Daniel Barenboim zustande gekommen sein und stand unter dem Titel Erinnerung. Einen Tag später griff dann die Einladung des Berliner Bürgermeisters Müller und des Kultursenators Lederer, unter dem Motto Mauern werden einstürzen am Dienstag, 5.11.2019 in der Gethsemanekirche zu spielen. Diese beiden Berlin-Konzerte waren die einzigen Auftritte von Patti Smith in Deutschland im Jahr 2019.

Der Abend in der Gethsemanekirche unterschied sich offenbar gleich mehrfach vom Auftritt am Vortag im Pierre Boulez Saal: Soweit bisher bekannt zwar nur unwesentlich im Programm, umso deutlicher aber im Eintrittspreis (5,33 € für die Gethsemanekirche und davon 5 Euro zugunsten von Sea watch, aber 15 bis 75 Euro für den Pierre Boulez Saal) und in der Anzahl der Besucher*innen (nur 500 im Pierre Boulez Saal gegen vermutlich das Doppelte in der Kirche).

Das Konzert in Gethsemane begann mit 20-minütiger Verspätung (die u.U. den Verzögerungen beim Einlass geschuldet waren. Immerhin kam ca. 30 Minuten vor eigentlichem Beginn die Berliner Polizei vorbei und sicherte die durch die Einlass-Begehrenden zum Teil blockierte Kreuzung vor der Kirche mit ab). Patti spielte dann ein 1,5-stündiges, rein akustisches Set, begleitet von Tony Shanahan, der an einer akustischen Gitarre beginnend, zum Flügel wechselnd, auch Gesangparts übernahm.

Zur Eröffnung ertönte ein von mir unerkanntes Lied: Tony Shanahan an der 6-Saiter, Patti „nur“ mit Gesang. Das 2. Stück war besetzt wie das 1., danach griff auch Patti zur 6-Saiter und im Folgenden variierte die Besetzung zwischen ihm an Gitarre oder Flügel, ihr an der Gitarre oder „nur“ singend. Patti präsentierte mehrere längere Ansagen, zum Teil ergänzt mit Lesungen aus ihren Büchern „Just kids“ und „Year oft he monkey“. Bei den ausschließlich englisch vorgetragenen Leseteilen / Ansagen waren Widmungen zugunsten ihrer Lebensabschnittsbegleiter Robert Mapplethorpe, Sam Shepard und Fred Smith zu erkennen.

Tony Shanahan ergänzte diese Reminiszenzen mit dem Solo-Vortrag seines Lieblingsstücks aus Lou Reeds BERLIN-Album: HOW DO YOU THINK IT FEELS. Der Erinnerung an Lou Reed schloss sich Patti an, in dem sie mit Tony S. dann gemeinsam den Titel PERFECT DAY vortrug. Als weiterer Coversong folgte von Neil Young: AFTER THE GOLD RUSH. Deutlich wohlwollende Wahrnehmung des Publikums war bei DANCING BAREFOOT und gesteigert bei BECAUSE THE NIGHT zu registrieren, was allerdings zum Teil in stumpf-frenetisches Mit-Klatsch-Getue mündete. Nach ziemlich genau 90 Minuten war Schluss. Ohne sich lange bitten zu lassen, folgte dann sehr schnell die eine Zugabe: PEOPLE HAVE THE POWER, bei dem dann auch das Publikum nach vorne strömte.

Persönliches Fazit: Bis auf den allerersten Song habe ich alle anderen Titel er- (ge-)kannt (wenn auch nicht alle Titel präsent). Der akustische Ansatz war insgesamt etwas gewöhnungsbedürftig. Die musikalische Begleitung war mitunter relativ simpel, andererseits den Sprechgesang Pattis dadurch nicht störend. Mein Favorit war das letzte Stück aus dem regulären Set: PISSING IN THE RIVER: Tony S. am Flügel, Patti solo im steigend pathetischen Gesangsvortrag. Das Konzert war sehr gut besucht; die Kirche bot einen guten Sound. Interessant war, dass der Ansatz, den ja wahrlich nur symbolisch zu verstehenden Eintrittspreis von 5 €uro dem Projekt SEA WATCH zu widmen, keinen Niederschlag bei Pattis Ansagen fand (oder mein Englisch ist zu schwach). War das u.U. eine pure Idee des Veranstalters?

--Arno P 00:34, 10. Nov. 2019 (CET)

Gethsemanekirche
17. Oktober 2019 Magma

Puuhh, wo soll man da anfangen, ein solch außergewöhnliches Erlebnis zu beschreiben? Aufmerksam geworden bin ich auf die Band durch die Konzert-Ankündigung in der ZITTY.

Magma, gegründet 1969 in Frankreich, entschied bereits mit ihrem Debütalbum, ein eigenes Genre zu sein. Zumindest legten die Franzosen die Basis für eine ganz eigene Musiksprache, als sie das Kobaïanisch erfanden, auf dem alle Texte verfasst sind. … Dahinter verbarg sich tatsächlich ein musikalisch völlig anderer Ansatz, als ihn die Prog-Kollegen wählten: Statt ausufernder Soli geben hier kurze, immer wiederholte Melodie-Muster und Chorgesang die Richtung vor, mal in Richtung Weltuntergang, mal in die Erlösung – Komponisten wie Carl Orff oder Igor Strawinsky gelten als Vorbilder, auch Jazzer wie John Coltrane.

Und wie wars nun wirklich?

Rahmenbedingungen:

Das Konzert war (vermutlich) nicht ausverkauft, das Kesselhaus aber gut gefüllt. Dennoch blieb in der hinteren Hälfte Platz genug, um ohne Körperkontakt zum Nachbarn dem Konzert zu folgen. MAGMA waren fast pünktlich: 20:10 Uhr kamen sie auf die Bühne und legten los. Keine Vorband, keine Begrüßung, SOUND pur. Letzterer war nicht überragend. Ein wenig scheppernd, vielleicht rotzig; zum Ende hin lauter werdend.

Die Band

Auf die Bühne kamen 7 Leute. Einerseits die klassische Rockbesetzung (Schlagzeug/Gesang, E-Bass, E-Gitarre, Keyboard) – ergänzt durch 2 weitere Sänger*innen (je 1 w+m) und einen Vibraphon-Spieler.

Der Ablauf

Der konzertante Hauptteil erstreckte sich über gut 1,5 Stunden (genauer 95 Minuten ;-)) Wenn es denn mehrere Stücke waren, gingen sie alle ineinander über. Entsprechend eigenwillig liest sich auch die Setlist. Die erste echte „Pause“ war erst nach 45 Minuten!! Zwar gab es zwischendurch Szenenapplaus, aber die Band spielte immer weiter. In dieser ersten Pause erfolgten dann auch Begrüßung und Ansage, dass eine weitere Sängerin aus Gesundheitsgründen fehlte. Nach den 95 Minuten ließ sich die Band nicht lange bitten und ergänzte ihren Auftritt mit einer 15 Minuten-Zugabe (was einem Titel entsprach).

Das Erlebnis

Eingestimmt durch den Hinweis auf die von der Band eigens entwickelte Kunst-Sprache, gab es natürlich Neugier bezüglich der entsprechenden Umsetzung. Und was da stimmlich rüber kam, war sehr vielfältig. Beginnend mit einer Art Sprechgesang des Schlagzeugers, der durchaus erahnen ließ, dass hier auch eine textliche Botschaft vorgetragen würde. Dann übernahmen die w/m-Stimmen, die im Laufe des Abends dominierten. Dabei boten sie vielfältige Variationen: einerseits begleitend / wiederholend, andererseits ergänzenden „Text“ vortragend. Stilistisch mal einzeln, mal gemeinsam, mal mehrstimmig im Satzgesang, manchmal wie ein Choral. Keinesfalls im Sinne von Schubidu. Mittendrin kam mir die Assoziation, dass ein Austausch der Vokal-Spuren durch Blech-Bläser vermutlich jeden an Free Jazz-Elemente denken lassen würde. Da war schon auffallend, dass erst in der Zugabe eine textliche Reduzierung auf He-Ho erfolgte - aber wiederum weit jenseits dessen, was anderswo als Aufforderung an das Publikum zählt, mitzugröhlen!

Die Sprache

Mich erinnerte es überwiegend an Latein oder Spanisch/Portugiesisch, anderseits kam es mir manchmal auch irgendwie osteuropäisch vor. Letzteres aber eher im Sinne von Klangmelodie und Vortrag, nicht von den Vokabeln her. Mein Begleiter assoziierte als erste Wahrnehmung Holländisch.

Reminiszenzen

Der total kurzweilige Auftritt war sehr abwechslungsreich. Und der Beobachter sucht natürlich immer Vergleiche. Mir kamen auf der einen Seite das Mahavishnu-Orchestra, Frank Zappa und King Crimson in den Sinn; auf der anderen Seite Mikis Theodorakis, Paul Dessau und auch Al Jarreau. Erst im letzten Drittel kamen längere Passagen zu Gehör, die an 1970er Jahre DOORS-geprägten Blues-Rock erinnerten.

Das Publikum

Viele schienen Fans zu sein, keine Laufkundschaft; etliche trugen die (nicht mehr ganz ;-)) passenden T-Shirts mit dem Band-LOGO. Es war viel Begeisterung zu erkennen, schien z.T. eine eingespielte Community zu sein. Auf jeden Fall erkannten sie bestimmte Passagen als neu angefangene Titel, wo ich noch rätselte, ob das alles ein symphonie-artiges langes Stück sei…

Fazit

Dank der mehr oder weniger zufällig entdeckten Option, über ZITTY auf die Gästeliste zu kommen, kamen mein Begleiter und ich für umsonst in den Genuss eines höchst interessanten und abwechslungsreichen Konzerterlebnisses, das wir beide so nicht erwartet hatten – und wo wir beide froh waren, dabei gewesen zu sein.--Arno P 20:07, 18. Okt. 2019 (CEST)

Kesselhaus
6. November 2018 Lydia Lunch's Big Sexy Noise

Lydia Lunch kannte ich aus ihren diversen Querverbindungen mit NICK CAVE, EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN und DIE HAUT, aus etlichen interessanten Coverversionen und aus einem Buch aus den 1990ern (ANGRY WOMAN) – insofern war ich sehr interessiert an ihrem aktuellen Projekt „Lydia Lunch’s Big Sexy Noise“. Doch mich überkam Ernüchterung. Zur eigentlichen Uhrzeit des Konzertbeginns waren vielleicht höchstens 20 Leute im Saal. Insofern fast verständlich, dass der Auftritt erst später begann…

Ne knappe Stunde später tummelten sich vielleicht 150 Leute im Saal – also immer noch viel Platz, um entweder bequem weit nach vorn zu kommen oder weiter hinten ausreichend Platz für Bewegung zu haben. Es war (vorne sehr) laut: in den Höhen schrill, in den Bässen dumpf und leider auch (bekannt aus Klubs dieser Größenordnung) übersteuert – also nix mit sexy, nur Noise. Ein paar Titel kamen dennoch dynamisch druckvoll rüber – prägten aber nicht meinen Gesamteindruck. Zum Sexy Noise gehörten James Johnston & Ian White (ein Gitarrist und ein Schlagzeuger, wobei ich die Instrumentenverteilung nicht benennen kann). Nach ziemlich genau einer Stunde war schon Schluss – und ich (mit nur geringen Englischkenntnissen) meine verstanden zu haben, dass es keine Zugabe gab, weil im Saal geraucht (eigene Anmerkung - und gekifft) wurde. Insofern insgesamt eher enttäuschend…--Arno P (Diskussion) 16:25, 11. Nov. 2018 (CET)


Musik & Frieden
19. Juli 1988 Bruce Springsteen & The E Street Band

Nur 20 (Ost-) Mark betrug der Eintritt zum größten Rockkonzert, das je in der DDR statt fand. Okay, das wusste vorher keiner, aber es war schon eine Sensation, dass der BOSS in den Osten kam. Folgerichtig gab es auch jede Menge Irritationen: Zunächst versuchten die DDR-Veranstalter, Springsteen unabgesprochen für die Solidarität mit Nikaragua zu vereinnahmen. Als das Management dies merkte, musste kurzfristig die Bühnendeko geändert werden. Doch auf den Tickets blieb der Slogan erhalten. Dann wollte Bruce eine kurze Ansprache halten, in der das Wort MAUERN enthalten war. Auch hier gab es kurzfristige Änderungen in Richtung BARRIEREN. (Siehe Link 5, ab Minute 37). Nix desto trotz wurde in den (vermeintlichen) LIVE-Sendungen die entsprechende Passage ausgeblendet. Dennoch: Es wurde das MEGA-Ereignis der ostdeutschen Rockmusik-Veranstaltungen. Offiziell hieß es, dass 160.ooo Karten verkauft wurden. Inoffiziell gibt es zahlreiche Berichte davon, dass mit zunehmendem Abend der Andrang so groß war, dass die Kontrollen aufgegeben wurden, so dass nicht bestätigte Berichte von einer halben Million Gäste ausgehen. Der BOSS war engagiert wie so oft und gab ein mehr als 3-stündiges Konzert. Die Größe der Veranstaltung offenbarte jedoch die begrenzten Möglichkeiten des Ortes. Der Sound verwehte; zu sehen war wenig - außer den zahlreichen phantasievollen Transparenten, die die Fans mitbrachten. Wohl nie zuvor und nie wieder waren so viele amerikanische Symbole auf offiziellen DDR-Veranstaltungen zu sehen. Seit dem 70. Geburtstag von Bruce Springsteen erinnert eine Dank-Tafel an den historischen Auftritt.--Arno P 23:37, 19. Okt. 2019 (CEST)

Radrennbahn Weißensee
6. Juni 1990 Rolling Stones

... doch kein Konzertbericht.

Vorspann: 1990. Das Jahr des totalen Umbruchs in Berlin und im deutschen Drumherum. Als gelernter OSSI habe ich schnell verstanden, dass u.a. die ZITTY eine periodisch aktualisierte Übersicht über das kulturelle Geschehen in Berlin bot. Und dann fand ich in dieser Zeitschrift das: Ein Preisausschreiben, bei dem ein [sic!] Ticket für die ROLLING STONES zu gewinnen war!?! Wenn ich es recht erinnere, ging es darum, eine eigene TOP 10 von STONES-Titeln abzugeben und zusätzlich zu erraten, wie die Liste der TOP 10 aller Zuschriften aussehen würde. Egal: Ich beteiligte mich und im Ergebnis flatterte mir ein Frei-Ticket in den Ost-Berliner Briefkasten!

Hintergründiges: Juni 1990. Es gab noch die DDR, aber die Grenzen waren offen. Doch es gab (für nur noch diesen Monat) zwei unterschiedliche Währungen und ein STONES-Ticket wäre in den damaligen Wechselverhältnissen mehr als ein Monatsgehalt gewesen… (und ich wusste, dass ich zum 1. Juli 90 arbeitslos werde). Und dann das: Ein Frei-Ticket für den Innenraum des auch von mir vorher nicht gesehenen Berliner Olympiastadions. Ich war „beruflich“ gerade dabei, die Auflösung der Stasi zu kontrollieren – und dann infizierte mich der bisher so genannte „Klassenfeind“ mit einem Ticket für eine Band, die schon seit 25 Jahren ihre Sympathy for the devil proklamierte? Scheiß drauf, ich war bereit und ließ mich einfangen.

Erinnerung: Die Einlasskontrollen waren unspektakulär (das WTC stand noch). Daher hatte ich keine Probleme, zwei 1-Liter-Tetrapacks Billigwein mit in das Stadion reinzubringen. Da ich meine Bekannten, von denen ich wusste, dass sie irgendwo im Rang Sitzplatzkarten hatten, nicht fand (jaja, es gab eine Zeit vor den Handys), waren es eben jene beiden Tetrapacks, die mich zum und beim Konzert in Stimmung brachten und hielten, aber eine Beschreibung leider nicht ermöglichen. Ich stand irgendwo im 2. Drittel des Innenraums; weit weg genug, um die Gigantomie der Bühne zu erkennen, zu weit weg, um Mick oder Keith per eigenem Blick zu erkennen. Und der Rest ist glückselige Erinnerung … --Arno P, 23:10, 23. Feb. 2019 (CET) Vom Stones-Auftritt gibts 'n Vinyl-Bootleg - siehe Weblinks. Und "Blase" war auch da.

Olympia-Stadion
30. Mai 2019 The Raconteurs

Punkt 20 Uhr begann mit gutem Sound die durchaus interessante Vorband Goat Girl: 4 Frauen (Bass, 2 x Gitarre, Schlagzeug), 1 Mann (Keyboard). Ca. 7 Titel, gut 30 Minuten [Wie mann sich täuschen kann: Setlist.fm verzeichnet 10 Titel!]. Songs, die recht harmonisch begangen, z.T. mit dreistimmigen Satzgesang, mitunter kamen mir die Cranberries in den Sinn. Hinten raus aber bekamen die Songs oft eine schräge Note durch interessante Gitarrensoli oder veränderte Schlagzeugrhythmen. Überhaupt war dem Spiel der Schlagzeugerin eine Ähnlichkeit mit den Drums bei den Jack White-Projekten anzumerken.

Punkt 21 Uhr dann die Raconteurs. Ebenfalls 5 Leute – doch nur Männer (3 Gitarren, Bass + Schlagzeug, wobei ein Gitarrist auch zu den Keyboards wechselte. Von Beginn an LAUT, druckvoll, fast schrill. Sehr agil. Die Gesangparts übernahm nicht nur Jack White, sondern auch Brendan Benson. Nach ca. 4 Songs meinte Jack, das Berliner Publikum wäre das Beste der Tour (und da waren die Leute im Parkett noch gar nicht beim Pogo-Tanzen) – doch nach nur 50 Minuten sagte die Band schon Good bye. Zum Glück für nur ca. 3 Minuten und dann kam ein gut 30-minütiger Zugabenblock, bei dem dann auch mehr bekanntere Stücke zu hören waren und auch der Basser mal ein E-Piano spielen durfte. Zwischendurch war auch mal einer der Roadies an zusätzlichen Bongos zu Gange. Mit „Steady as she go“ gabs dann kurz vor halb Elf den fulminanten Abschluss.

Auch diesmal war das Konzert eine handyfreie Zone. Zu den Begleitumständen siehe letzten Link. --Arno P (Diskussion) 22:40, 31. Mai 2019 (CEST)

Nachtrag: Das Konzert wurde von radioeins mitgeschnitten. Im Rahmen der Sommernachtskonzerte 2019 sollte es auch ausgestrahlt werden, doch musste dies reduziert werden, da nur vier Titel die entsprechende Freigabe bekamen.


Verti Music Hall
25. Mai 2019 Element of Crime

Pünktlich 20 Uhr betrat Sven Regener die Bühne, um selbst seine Vorband anzukündigen – eine Geste, die man selten sieht; bei ihm aber offenbar die Regel ist. Die vier Jungs von Isolation Berlin spielten dann 7 Songs in recht genau einer halben Stunde. Erkennbar deutsch-sprachig, etwas gedämpft und dumpf im Ton. Nicht uninteressant.

Dann gabs eine Viertelstunde Umbau und um 20:45 Uhr gings dann mit den Elementen los. EoC haben ja ihren eigenen unverwechselbaren Sound entwickelt, der sich dann auch durch das gesamte Konzert zog. Regener agierte wie immer als Sänger und zunächst an der Trompete, später dann auch an häufig gewechselten Gitarren. Die anderen Mitglieder der insgesamt 6-köpfigen Band (Gitarre, Bass, Blasinstrumente, Akkordeon, Schlagzeug) wurden leider nicht vorgestellt. Zum Titel „Karin, Karin“ kam eine Gastsängerin, die dann als Alexandra Regener vorgestellt – des Sängers Tochter. Mit Verlaub: Warum dieser Titel diesen Gastauftritt bekam, erschloss sich mir nicht… Das Konzert dauerte dann mit insgesamt 3 Zugaben mit je 2, 2 bzw. 3 Stücken etwas über 2 Stunden. Beitrag von Arno P im Mai 2019

Tempodrom
17. April 1993 Peter Gabriel

Allein die Auftakt – Choreografie war schon Wahnsinn: Auf einer Hebebühne kommt aus dem „Keller“ eine englisch-rote Telefonzelle mit dem singenden Peter drin nach oben, der um „Talk to me“ bat, dann begibt er sich auf das Laufband hin zur angesprochenen „Muse“, mit der er zwar ins Duett kommt, aber dann - vom Telefonkabel wieder eingezogen - den Kontakt verliert … wow! Wer möchte, findet hier ein Video (leider nicht vom Berliner Auftritt, aber nicht minder eindrucksvoll): Come Talk To Me (Arno P.)

Deutschlandhalle
10. April 2018 Black River Delta

Krachiger Südstaatenrock von einer schwedischen Band - Nix da mit unterkühltem Norden! Doch auch den als Support auftretenden Sologitarristen Andrea Bignasca zu sehen, war spannend. Dank der Freikarten, die die ZITTY spendierte, ein interessanter Abend.--Arno P 13:24, 24. Dez. 2018 (CET)

Privatclub

Ergebnis: Es gibt 21 Seiten mit Konzert-Erinnerungen von Arno P.


Erinnerungen an Orte

Ort Erinnerungen
Verti Music Hall

Erste (von inzwischen vier) Erfahrungen (Oktober 2018)

Es war niemand geringerer als JACK WHITE, dem es vorbehalten war, die neue Spielstätte zu eröffnen (wenn man die Vorgruppe GEWALT mal "vergisst"). Das Ambiente auf dem Vorplatz mit unheimlich viel Neon-Licht in großflächigem Reklame-Flackern und die unmittelbare Nachbarschaft zur Mehrzweckhalle, die sich zunächst nach einem Telefonanbieter, aktuell nach einem Autohersteller benennen liess, war schon beeindruckend - auch wenn ..>> hier mehr >>..

Musik & Frieden

Von außen ein Plattenbau, drinnen eher Klubatmosphäre in einem eigenartig verwinkelten Haus, das mindestens zwei Konzert-Locations beinhaltet und Auftritte im SCHWARZEM oder BLAUEN Zimmer präsentiert sowie Platz für eine Baumhaus-Bar hat. Vom schwarzen Zimmer ist es ein umständlicher Weg zur Garderobe und dass es offensichtlich einen 2. Ausgang gibt, erschließt sich auch nicht direkt.--Arno P [16:37, 11. Nov. 2018 (CET)]


Ergebnis: Es gibt 2 Seiten mit Orts-Erinnerungen von Arno P.


Erinnerungen an Veranstalter

Veranstalter Erinnerungen
Zitty

Tja, da kommt schon etwas Trauer auf. Zuletzt kam die ZITTY ja nur noch als Monatsheft zusammen mit dem TIP und dennoch dünner als das normale Heft. Gab ja wegen Corona kein Programm mehr, das anzukündigen wäre. Von der fehlenden Tagesaktualität abgesehen, war sie für mich vielleicht das, was für unsere Eltern- und Großelterngeneration die Abendschau ist. Und nicht zu vergessen - ich habe mehrfach Freikarten über die ZITTY bekommen. Unvergessen begonnen mit den STONES 1990, über Black River Delta 2018 bis zuletzt MAGMA im vorigen Jahr. --Arno P (Diskussion) 14:18, 21. Jun. 2020 (CEST)


Ergebnis: Es gibt 1 Seiten mit Erinnerungen an Veranstalter von Arno P.


Anmerkungen

  1. Der 1. Auftritt von Melissa Etheridge in Berlin fand demnach 1988 als Vorprogramm von “Martin Stephenson & The Daintees” im Loft statt. Setlist.fm kennt von der damaligen Tour bisher nur einen April-Auftritt in Cambridge. Mangels weiterer bekannter Details konnte hierzu bisher kein eigener Eintrag erstellt werden. Später, im Herbst 1988, war sie erneut in Berlin und spielte im Vorprogramm von Huey Lewis & The News in der Deutschlandhalle. Bei der diesbezüglichen Berichterstattung wird der vorherige Loft-Auftritt erwähnt.
  2. Inzwischen gibts 'n Youtube-Video dazu. Ab Sekunde 20 spricht sie über ihren 1. Berlin-Auftritt.
  3. Siehe vierten Link unter WEBLINKS.